Blog Feldspat



Feldspat - aus Mondlicht entstanden


Ja, da waren sich die alten Römer sicher, angesichts eines durchscheinend weißen Steines mit blauem Schimmer, der an den geheimnisvollen Schein des Mondlichtes erinnert. Und sie nannten ihn “Mondstein”. Den schönsten farblos-weißlichen Mondstein findet man auf Sri Lanka (Ceylon-Mondstein) und in Tansania. Berühmt ist er für seinen “Mondsteineffekt”. Man nennt diese Wirkung auch “adularisierend”: ein bläulich-weißer Lichtstreifen wandert beim Bewegen des Steins eilig hin und her und gibt ihm einen seidigen Schimmer. In Indien gibt es auch braune, graue, grünliche, rötlich, lila, rosa bis orangefarbige und sogar schwarze Mondsteine, auf denen der blaue Schimmer nicht so gut sichtbar ist. Dafür haben sie oft zusätzlich den “Katzenaugen-Effekt” und (sehr selten) vierstrahlige Sterne. 


Mondstein ist eine sehr kaliumreiche Varietät aus der riesigen Familie der Feldspate und der beliebteste und bekannteste der Gruppe. Feldspat ist die auf der Erde am weitesten verbreitete Mineraliengruppe überhaupt, da sie zu 65 % am Aufbau unserer festen Erdkruste beteiligt ist. Es ist ein sehr komplexes Mineral und wird immer noch intensivst erforscht. Der Name kommt von feld=Fels und spat=Spalten, und bezieht sich auf seine vollkommene Spaltbarkeit. In der Natur bedeutet dies, dass verwitterter Feldspat leicht Felsspalten bildet und dabei große Mengen an Nährstoffen wie Kalium freilegt, die der Erde z.B. beim Ackerbau zugute kommt. Feldspäte haben alle ähnliche Kristallstrukturen und Kristallformen, aber wechselnden Chemismus. Tonerde und


Kieselsäuren verbinden sich unterschiedlichst mit Kalium, Natrium und Kalzium und können dadurch sehr viel verschiedene Arten hervorbringen. Diese können sich auch vermischen und bilden dann sog. Mischkristalle. Ein Natrium-Feldspat kann sich z.B. bei Temperaturen um 600 Grad mit einem Kalium-Feldspat mischen. Sinkt die Temperatur aber zu sehr ab, entmischen sich diese wieder. Bei diesem Entmischungsvorgang können sie sich in unregelmäßig geformten Lamellen anordnen. Und das passiert alles in mikroskopisch kleinstem Bereich. Und wenn diese Lamellen so klein sind, dass sie kleiner als die Wellenlängen des Lichts sind, dann streuen sie das einfallende Licht als diffusen Lichtschein zurück und ... siehe da !! ... aus einem ganz ordinären Feldspat hat sich ein Mondstein entpuppt ! 

Alles Feldspat ... oder was ?

Orthoklas, Albit, Mondstein, Amazonit, Sonnenstein, grauer Labradorit, weißer Labradorit, Spektrolith, Sanidin, ... ja, das alles und noch viel mehr gehört zur Feldspatgruppe ! Ich hatte schon geschrieben, dass Feldspat ein sehr spaltiges Mineral ist. Es ist der einzige Stein in der Schmuckbranche, der in 2 Richtungen spaltet. Das ist eine Besonderheit. Ausserdem ist die Feldspatgruppe so umfangreich, weil sie Elemente austauschen können (nennt man Isomorphie). Konkret sind es die 3 Elemente Kalium, Natrium und Calcium, die viele Mischkristalle bilden können. Nur Kalium und Calcium können sich nicht mischen, das geht nicht. Man sagt, hier ist eine Mischungslücke entstanden. Bei den anderen funktioniert es und diese bilden 2 große Feldspatgruppen: 

 

Einmal die Alkalifeldspäte, die beim Austausch von Kalium und Natrium entstehen und aus deren verschiedenen Mischungsverhältnissen bekannte Namen wie der goldgelbe Orthoklas aus Madagaskar, der blaugrüne Amazonit aus Madagaskar und Peru, der bläulich schimmernde Mondstein aus Sri Lanka oder Indien etc. entstehen. Die 2. große Gruppe sind die Plagioklase, bei denen sich Natrium und Calcium austauschen und zu einer Vielzahl verschiedener Steine führen. Bekannte Namen sind: der weiße Albit aus Myanmar, der rotbraun schillernde Sonnenstein (auch Aventurin-Feldspat genannt) und v.a. der in allen erdenklichen Spektralfarben schimmernde Labradorit, der sowohl in grau als auch in weiß vorkommt. Der weiße, durchsichtige Labradorit-Feldspat, auch “Regenbogenmondstein” genannt, wird oft mit dem Mondstein verwechselt. Wobei es einfach zu unterscheiden ist: Der Schimmer des Mondsteines besteht immer nur aus 1 (!) Farbe. Und - bei einem Cabochonschliff kann man einen Lichtstreifen entdecken, der über die Rundung des Steins wandert (heisst Adularisieren).

Anders bei dem “Regenbogenmondstein”, der als “weißer Labradorit” bezeichnet werden muss: dieser hat ein flächiges bläulich - gelbliches buntes Farbenspiel (Labradorisieren). Trotz aller Unterscheidung: beides sind Feldspäte ! Ein grauer Labradorit aus Finnland, der alle Spektralfarben auf einmal zeigt, hat den Namen “Spektrolith” bekommen, und diesen auch verdient.














Herzlichst, Ihre
Heidi Maria Killer-Bögl
 
(Gemmologin)

Hier geht es zu den Mondsteinen (Feldspäten) von StoneTrip

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